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Nazra'yo 2017-06-19

Beim Nazra'yo (bzw. in Schriftform Nazra'yot) handelt es sich um die Sprache der Nazra.

Ursprünglich wurde das Nazra'yo zur Kommunikation mit halbintelligenten Maschinen entwickelt, was sich bis heute in seiner strikten Grammatik äussert. Die geschriebene Form heisst Nazra'yot, was soviel wie Nazra-Schriftzeichen bedeutet. Traditionell werden diese Symbole nicht von Hand gezeichnet, sondern mit Hilfe einer Wörterbank aufgetragen.

Entstehung

Lange Zeit kannten die Nazra keine Schrift; alle Informationen wurden durch eine Mischung aus gesprochener Sprache und Telepathie oder subtil via Gedankennetzwerk übermittelt. Für die Kommunikation mit halbintelligenten Maschinen war jedoch keiner dieser Wege geeignet. Die Lösung dafür bot schliesslich eine synthetische Sprache, das Nazra'yo, welches auch in geschriebener Form als Nazra'yot verfügbar ist.

Wenige Jahre nach seiner Einführung wurde das Nazra'yo auch als Mittel der gewöhnlichen Kommunikation entdeckt. Zunächst nur unter Wissenschaftlern, dann im kommerziellen Bereich und schliesslich auch unter Freunden und Bekannten wurde das ''Briefe schreiben'' zu einem kleinen Volkssport. Als schliesslich die Menschen nach dem ersten Kontakt ihre Bücher nach Ancyria mitbrachten, entstanden bald auch nazranische Bücher, die ''Yot'aan'', und Wissensbibliotheken in verschiedenen Städten.

Während dieser Entwicklung wurde der Wortschatz des Nazra'yo drastisch erweitert und vor allem die Schrift häufig überarbeitete. Neue Symbole wurden eingeführt, bestehende Symbole der Häufigkeit nach geändert und überholte Zeichen wurden gestrichen oder ersetzt. Erst durch die öffentliche Nutzung stabilisierte sich die Sprache bis hin zu ihrer heutigen Form, in der fast nur noch Erweiterungen statt Änderungen erfolgen.


Sprachbau

Das Nazra'yo besitzt einen isolierten Sprachbau, die Wortpositionen innerhalb eines Satzes sind also fix vorgegeben (Subjekt > Verb > Objekt). Es ist eine agglutierende Sprache, bei der die Prä- und Suffixe jeweils im Wortsymbol mit enthalten sind. Passive Sätze und den Imperativ kennt das Nazra'yo nicht.


Fragesätze

Fragesätze werden gebildet, indem man die fehlende Information durch ein Fragesymbol ersetzt, etwa so:
  • Frage: "Du bist (?) Jahre alt."
  • Antwort: "24."
Ganze Sätze werden in Frage gestellt, indem man das Fragezeichen am Schluss setzt. Dies entspricht in etwa dem "nicht wahr?" oder "stimmts?" im Deutschen.


Komparativ

Das Nazra'yo kennt keine Steigerungsformen wie ''schnell, schneller, am schnellsten''. Derartige Konstrukte können höchstens mit Hilfsadjektiven wörtlich übersetzt werden (schnell, ''mehr'' schnell, ''maximal'' schnell), dies ist jedoch unüblich.

Vergleiche werden mit "mehr", "weniger" oder "gleich" gebildet, Verknüpfungen mit dem sogenannten Autopositiv. Der Satz "Je mehr Freunde man hat, desto reicher ist man" würde wörtlich abgebildet "Je Freunde, desto Reichtum" lauten. Autopositiv bedeutet, dass beide Werte sich vergrössen, also mehr Freunde entsprechen auch mehr Reichtum. Eher unüblich ist die gegenteilige Verwendung, als Beispiel dafür der Bau eines Hauses; je weniger Material benötigt wird, desto günstiger kann es gebaut werden. Die Beziehung lautet hier "Je weniger Material, desto günstiger". Nazra drücken den Satz aber als Autopositiv aus: "Je Material, desto teuer".


Zahlensystem

Das nazranische Zahlensystem heisst Yota'mik. Seine Besonderheiten zeigen sich in der Notation der Zahlen, die zum einen im Hexalsystem mit nur 6 verschiedenen Ziffern erfolgt und zum anderen ganz ohne Fliesskommazahlen auskommt. Im Gegensatz zu den menschlichen Sprachen kennt das Nazra'yo auch keine Zahlennamen (z.B. "zwölf") oder Zifferndreher (z.B. "einundzwanzig"). Nazra sprechen ihre Zahlen immer der Reihe nach aus; 12'500 wäre also "eins zwei fünf null null".


Wörterbank

Die Wörterbank ist ein Hilfsmittel zum Schreiben nazranischer Schriftsymbole, vergleichbar mit einem Stempel. Mit diesem technischen Gerät werden Yot zusammengesetzt und auf eine beliebige Oberfläche gezogen. Farbe, Grösse und Winkel der Schriftzeichen (sowie eine Reihe weiterer Eigenschaften) können dabei frei gewählt werden. Auf diese Weise müssen die filigranen, zum Teil sehr komplexen Schriftzeichen nicht von Hand gezeichnet werden.

Dank einer speziellen Form von ''Quantenverschränkung'' bleiben alle geschriebenen Schriftzeichen mit der grossen Zentralwörterbank in Verbindung. Wird ein Zeichen irgendwann umdefiniert oder neu gestaltet, so wirkt sich dies augenblicklich auf alle vorhandenen Texte aus. Diese Funktionsweise war ursprünglich nötig, um die Zeichensätze aller Maschinen synchron zu halten. Seit das Nazra'yo auch als Umgangssprache und in Büchern verwendet wird, führen diese Updates gelegentlich zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen. In der Regel verschwinden derartige Ungereimtheiten im Laufe eines Tages von alleine wieder, da alle Sprachinformationen mit Hilfe des Gedankennetzwerks ständig auf den neusten Stand gebracht werden.


Büchereien

Die Notwendigkeit einer Bibliothek war lange Zeit umstritten, da die Nazra ihr Wissen grundsätzlich nicht in Schriftform aufzeichneten. Erst mit der Verbreitung (und Erweiterung) der Schriftsprache entstanden Bücher, deren Inhalte im Gegensatz zum allgegenwärten Gedankennetzwerk nicht überall und jederzeit verfügbar waren. Um die Verfügbarkeit dennoch zu gewährleisten, wurde schliesslich die erste Bibliothek in der Stadt Antra'deta erbaut.

Es folgten weitere Bibliotheken in den anderen Grossstädten, wobei in jeder Region eine andere Wissenspolitik betrieben wurde. In Antra'tos beschränkte man sich beispielsweise auf Sachbücher, während in Antra'deta jegliche Schriften für die Archivierung in Frage kamen; auch erfundene Geschichten und Bücher in menschlicher Schrift. Aufgrund dieser Offenheit entwickelte sich die Ana'to'aan bald zur grössten Bibliothek der Nazra. Bemerkenswert ist, dass einige von den Büchern, die nach Antra'deta gebracht wurden, später in der Aussenwelt verboten und verbrannt wurden. So existieren manche der bedeutendsten menschlichen Werke tatsächlich nur noch in der Bibliothek von Antra'deta.


Zitate

"Bücher sind mehr als Wissen. Bücher sind Kultur und Kultur ist das, was eine Gesellschaft bewundernswert macht."
– Mer'ja-dar'non, nazranischer Autor

"Ich könnte ein Leben damit verbringen, alle Bücher hier zu übersetzen, und würde doch nie ans Ziel kommen. Lieber verbringe ich mein Leben damit, ein Buch über diese Sprache zu schreiben, so dass eine Übersetzung gar nicht mehr notwendig ist."
– Siegmund Marriot, Übersetzer
Kategorien: Kultur